Sichtweisen 2017



Die Bilder unserer Ausstellung im Frühjahr 2017

 

 

EINFÜHRUNG IN DIE AUSTELLUNG "SICHTWEISEN 19"

 

Die Fotogruppe im Künstlerforum Jever stellt nunmehr zum 19. Mal unter dem Titel „Sichtweisen“ in der Galerie im Lokschuppen aus. Der Ausstellungskalender des Künstlerforums bot in diesem Jahr die Gelegenheit, nach dem traditionellen Herbsttermin in den Frühling zu wechseln. Das hat die Mitglieder der Fotogruppe natürlich auch vor die Herausforderung gestellt, in vergleichsweise kurzer Zeit mit der Kamera auf Motivsuche zu gehen und neues Material zusammenzutragen.

 

Ins Archiv wurde dabei dann auch eher selten gegriffen. Denn einerseits bietet auch die kühlere Jahreszeit reizvolle Motive und andererseits sind die Reisenden unter der Fotogruppe auch an anderen Orten dieser Welt bei der Motivsuche fündig geworden. Letztlich ist man sich in zwei Jahrzehnten „Sichtweisen“ treu geblieben. So vielfältig die Ambitionen und Vorlieben der Mitglieder der Fotogruppe sind, so vielfältig sind auch wieder die Motive, Blickwinkel und Perspektiven.

 

Jürgen Mölders kehrt die „Sichtweisen“ um, denn bei seinen Bildern wird der Betrachter selbst fixiert – durch die Blicke exotischer wie auch heimatlicher Tiere, die er mit dem Teleobjektiv beeindruckend portraitiert hat.

 

Auf Augenhöhe befindet sich der Betrachter auch mit den Triebwerken eines Tornado-Jagdbombers, der auf dem Fliegerhorst Upjever mit förmlich aufgerissen „Augen“ seiner Verschrottung entgegensieht und von Jens Homberg im Halbdunkel eines Shelters abgelichtet wurde. In Jens Hombergs übrigen Bildern geht es um Wasser – mal als Reflexionsfläche für farbige Objekte am Ufer eines Kanals, mal als gefrorene Eiswelt, in der sich auf wenigen Quadratzentimetern bizarre Objekte entdecken lassen. Versuchen Sie doch mal mit etwas Phantasie die versteckten Gesichter und Masken zu finden!

 

Ebenfalls wie gemalt mutet Lars Bergmanns Moorlandschaft an, in welcher sich im Nebel bedrohlich wirkende Schemen zu verbergen scheinen, während sich in seinen „Nebelgestalten“ die Sonnenstrahlen anschicken, das düstere Szenario in einen strahlenden Tag zu verwandeln.

 

Leuchtende Farben dominieren dagegen auf dem Bild eines Rapsfeldes von Steffen Schüngel. Gleichzeitig setzt dieses Bild einen Kontrapunkt zu den schwarz-Weiß-Bildern im selben Raum.

 

Andreas Klesse hat zwar eigentlich sonnenscheinreiche Länder bereist, setzt aber dennoch ganz bewusst nicht auf Farbaufnahmen. Im „Springenden Punkt“ und den „Vergänglichen Spuren“ sind Licht, Schatten und Strukturen die wesentlichen Bildelemente, während in „Schüchtern“ sensibel die Stimmung dreier junger Menschen eingefangen wird.

 

Dieter Nöth hat in den Fahrradkörben Farben bis auf leuchtendes Neongrün weitgehend versteckt, und in „Eingerahmt“ die schöne Fassade der Modewelt und die verfallende Fassade eines alten Hauses aufeinanderprallen lassen.

 

Ebenfalls äußerst farbintensiv sind die präzise durchgestalteten Bilder vom Marion Albers.

 

 

 

Während sie in „Verglüht“ und „Spritzig“ äußerst kurze Belichtungszeiten einsetzt, ließ sich die leuchtend rote Erdbeere auf dem tiefschwarzen Seziertisch auch mit längeren Belichtungszeiten abbilden.

 

Sylke Barkmann hat die Zeit zwischen den Ausstellungen genutzt und herbstliche Motive eingefangen. Mit dem Fliegenpilz tritt sie jedoch auch den Nachweis an, dass die Jahreszeiten der oft gedeckten Töne sehr wohl Leuchtendes hervorbringen können, während Dieter Nöths „Neujahrsmorgen“ in gleißendes Sonnenlicht getaucht ist.

 

Ebenfalls herbstlich sind die Ufer der Pferdegraft vis-à-vis des jeverschen Brauhauses, dessen Türme mit Hilfe einer Doppelbelichtung von Sigrid Kasdorf kathedralengleich über dem Wasser dem Himmel entgegenstreben.

 

Wie bereits anlässlich der Ausstellung im vergangenen Jahr, hat sich die Gruppe auch für die „Sichtweisen 19“ eine fotografische Zusatzaufgabe gestellt. Diese lautete diesmal „Heimat“. Die ersten Reaktionen innerhalb der Gruppe, als dieses Thema zu Wahl stand, waren höchst unterschiedlich und reichten von „zu einfach“ bis „zu schwer“. Denn letztlich hängt auch hier die Umsetzung von den individuellen Sichtweisen ab. Die Soziologen Hartfiel und Hillmann definieren „Heimat“ im Lexikon der Soziologie als „territoriale Einheit eines subjektiv erlebten Raumbereichs, mit dem der Mensch eine Verbundenheit empfindet“. Doch in den Bildern der Ausstellung wird der Betrachter wahrscheinlich noch vielschichtigere Interpretationen finden.

 

So ist für Dieter Nöth „Heimat“ der Ort, an welchem man ankommt und aussteigt. Vielleicht betritt man dann auch bald die heimatlichen vier Wände durch eine der farbenfroh bemalten Haustüren, die Jürgen Mölders mit der Kamera gesammelt hat.

 

„Heimat“ – das ist für viele von uns der Norden Deutschlands mit seinen Landschaften und typischen Tieren, die Sigrid Kasdorf in einer weiteren Doppelbelichtung vereint hat, aber sie ist auch unser Brauchtum, für welche Dieter Schumann mit der Boßelkugel und dem Grünkohl zwei herausragende Symbole in Szene gesetzt hat, während der legendäre Pilsumer Leuchtturm wie kaum ein anderer die Seezeichen an unserer Küste repräsentiert.

 

Aber „Heimat“ hat auch ganz andere Dimensionen. So nimmt Sylke Barkmann die Besucher in die alt-ehrwürdige Bibliothek des Mariengymnasium mit, während man mit Steffen Schüngel an einem ungemütlichen Novembertag unterwegs ist.

 

Andreas Klesse erzählt Geschichten am Strand und beweist, dass „Heimat“ auch in die Ferne begleiten und dort ein Zuhause bieten kann. Sigrid Kasdorf führt wiederum vor Augen, dass Heimat geografische wie auch soziale Grenzen haben kann, während Steffen Schüngel deutlich signalisiert, dass zu Heimat auch der Ort zählt, an welchem die „Sichtweisen 19“ stattfinden und in der Vergangenheit bereits 18 mal stattfanden.

 

„Ausstellungen sind ein Kommunikationsmedium des Sozialen: Gesellschaften drücken darin aus, wie sie sind oder sein wollen. Kunst ist eine Form der Weltbeobachtung: was wir sehen, was wir wünschen, was wir hoffen“.

 

Diese Definition der Kunstsoziologin Dagmar Danko anlässlich der Eröffnung der Documenta in Kassel und Athen lässt sich sicherlich in mancher Beziehung auch auf diese Ausstellung übertragen. Doch wollen sich die Fotografinnen und Fotografen des Künstlerforums gar nicht in ein wissenschaftliches Korsett zwingen lassen. Die Botschaft ihrer Bilder soll deshalb vorrangig lauten: Seht her, welch´schönes Motiv!

 

 

 

Die Fotogruppe im Künstlerforum Jever am 9. April 2017

 

 

 

Die ausstellenden Fotografinnen und Fotografen:

 

Marion Albers, Sylke Barkmann, Lars Bergmann, Jens Homberg, Sigrid Kasdorf, Andreas Klesse, Jürgen Mölders, Dieter Nöth, Steffen Schüngel, Dieter Schumann